15.05.2020

Holzbau – So hat alles angefangen

Der Holzbau ist um einiges älter als wir alle. Schon vor 10.000 Jahren wurde der Rohstoff Holz nachweislich zum Bau erster fester Wohnhäuser genutzt. Die zu der Zeit aufgestellten Konstruktionen waren kaum schlechter als wir es heute können. Ein großes Manko war jedoch die Haltbarkeit der Rohstoffe und deren Nutzung.

Ein wenig Geschichtliches

Die ersten festen Wohnhäuser sind als Pfostenbauten oder Pfahlbauten bekannt. Bei dieser Bauart werden die Stämme senkrecht in den Boden eingegraben. Mehr als einstöckiges Bauen oder auch der Bau von belastbaren Dachböden war durch die mangelnde Stabilität dieser Bauten jedoch nicht möglich. In der Jungsteinzeit wurden dann auch vermehrt Wohnhäuser an Ufern von Seen errichtet.

An seichten Stellen wurden die Baumstämme in den Boden gerammt, um dann darauf die Bauten zu stellen. Mit Holz, Lehm, Schilf und ähnlichen Materialien wurden dann die Wände gefüllt. Diese trugen dann die Dachkonstruktion.

Da die Stämme in dem Boden aber dauerhafter Feuchtigkeit ausgesetzt waren, hatten diese Bauten damals eine Lebenszeit von nicht mehr als etwa 20 bis 30 Jahre. Leider war es nicht möglich die geschwächten Stützen sicher zu entfernen, da hierbei das ganze Tragwerk infrage gestellt werden musste.

Am Bodensee ist es möglich diese alten Bauten zu erkunden. Im dort ansässigen „Pfahlbaumuseum Unteruhldingen“ wurden seit 1922 einige Rekonstruktionen von alten Pfahlbauten, die in dieser Gegend aus der Steinzeit bekannt sind, nachgestellt.

Neue Wendungen

Schätzungsweise im 12. bis 13. Jahrhundert traf der bereits aus der Antike bekannte Fachwerkbau in Europa ein. Die Stützen wurden nun nicht mehr in den Erdboden eingegraben, sondern auf Steine oder andere Grundlagen gesetzt.

Auf einmal war es möglich Tragwerkskomponenten auszutauschen ohne das alles zusammenbrach. Ebenfalls war es nun möglich mehrgeschossige Bauten aufzustellen.

Aber auch die Statik musste nun wieder neu durchdacht werden, da die Stützen nun nicht mehr im Boden gehalten wurden. Schräge Streben wurden in die Konstruktion mit eingesetzt, um alles zu stabilisieren.

Bis ins 15. Jahrhundert entwickelte sich der Fachwerkbau weiter und weiter. Über verschiedene statische Maßnahmen und Verbindungen der Bauteile bis zum Fachwerkbau wie wir ihn heute kennen.

Einige Stil-Epochen haben den Fachwerkbau geprägt. Darunter zählt die Gotik, in der die Außenwände immer häufiger mit Fenstern durchbrochen wurden. Außerdem die Zeit der Renaissance, die für ihre kunstvollen Ausarbeitungen der Schnitzkunst an Hausgiebeln bekannt ist. Bis zum Übergang in die Barock- und Rokoko-Zeit, die in der Detailausarbeitung nur so protzte und der Verschwendung kein Begriff war.

Ein vorzeitiges Ende

Im 18. und 19. Jahrhundert galten Fachwerkhäuser als besonders brandgefährdet. Dadurch wurde das Verputzen dieser angeordnet. Auch wurde der bäuerliche Charakter damals vermehrt als Zeichen für Armut empfunden, sodass die „Geringschätzung“ dieser Bauten fast bis ins 20. Jahrhundert anhielt.

So wurden ab dem 19. Jahrhundert die traditionellen Holzbauten vermehrt durch Mauerwerksbauten ersetzt.

Wenn auch zunächst nur äußerlich. Als dann mit dem Fortschreiten der Industrialisierung Beton und Stahl zum Massenprodukt wurden, verschwand der Rohstoff Holz beinahe aus dem Tragwerkbau.

Doch auch dieser Trend kommt wie so viele andere wieder zurück. Das Comeback im Holzbau lebt mehr und mehr auf. Von der Weiterentwicklung im Holzbau berichten wir in Teil zwei unserer kleinen Blog-Serie.